Wasserqualität unterwegs beurteilen

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Nachschlagewerk/ Branchenbuch rund ums Pferd

- Ausbildung Wanderreiter -


gefördert durch:

Hajo Seifert
VFD-Reitlehrer A/P


Wasserqualität unterwegs beurteilen

Insbesondere im Sommer bei hohen Temperaturen und auch bei anstrengenden Touren, auf denen die Pferde stark geschwitzt haben, besteht die Notwendigkeit immer für genügend Tränkwasser der Pferde zu sorgen. Andernfalls droht hier schnell die Dehydration der Pferde (häufiger Tugor- bzw. Hautfaltentest durchführen!).

Üblicherweise hat der Rittführer die Rastplätze so gewählt oder organisiert, dass zumindest an den Rastplätzen ausreichend Wasser zum Tränken zur Verfügung steht. Aber auch zwischen den Rast- und Pausenplätzen bei längeren Strecken sollte zumindest die Möglichkeit bestehen, die Pferde bei extremer Witterung auch zwischendurch tränken zu können.

Handelt es sich bei den Tränkmöglichkeiten um natürliche Wasservorkommen, entsteht die Frage, ob das vorhandene Wasser auch zum Tränken der Pferde geeignet ist. Viele Bäche, Tümpel, Teiche und Seen sind insbesondere in stärker besiedelten Gebieten so stark belastet, dass sich das Wasser nicht zum Tränken der Pferde eignet. Ist die Wasserqualität nicht ausreichend, das Wasser eventuell sogar stark belastet, sind u. a. Koliken und Vergiftungserscheinungen auf dem Ritt zu befürchten! Der Rittführer muss also in der Lage sein, zumindest eine grobe Einschätzung der vorliegenden Wasserqualität vorzunehmen, um eventuellen schweren Schäden vorbeugen zu können.

Bei der Suche nach einer geeigneten Stelle zum Tränken sollte sich der Rittführer zunächst einmal Gedanken um das Umfeld machen. Zunächst ist einmal davon auszugehen, dass voraussichtlich das Wasser in Richtung der Quelle sauberer sein wird, als z.B. an einem Bachlauf mitten im dicht besiedelten Gebiet. Oberhalb von Ortschaften oder gar Industriegebieten, sauberer wie unterhalb. Dies ist zwar noch keine Garantie für ausreichende Wasserqualität, aber derartige Überlegungen und darauf ausgerichtete Handlungsweise helfen dabei, so gering wie möglich belastetes Wasser zu finden. Hier ist der gesunde Menschenverstand gefragt!

Sensorische Prüfung

Zunächst sind unbekannte Gewässer mit Auge und Nase zu prüfen. Wenn das Wasser stinkt, oder sogar ein Ölfilm darauf schwimmt ist es keinesfalls geeignet. Ebenso spricht Schaum auf dem Wasser für eine starke Belastung durch Chemikalien.

Bei einem fliesenden Gewässer sollte man einen Bereich von mindestens ca. 200 Meter oberhalb der vorgesehenen Tränk- oder Entnahmestelle aufwärts in Augenschein nehmen. Werden in diesem Bereich Tierkadaver bemerkt (z.B. tote Fische aber auch andere Kadaver am Ufer), ist das Wasser ebenfalls nicht geeignet. Hier droht neben Erkrankungen durch das eventuell belastete Wasser (z.B. durch Chemikalien) auch noch Botulismus!

Finden sich an feuchten Stellen am Ufer des Gewässers Spuren von Wildtieren, ist dieses als gutes Zeichen zu werten.

An der vorgesehenen Entnahmestelle sollte man einige Steine aus dem Wasser entnehmen und deren Oberfläche abtasten. Ist die Oberfläche rau, so ist dies ein Anzeichen dafür, dass keine größere organische Belastung (z.B. Algen) im Wasser vorhanden ist. Ist die Oberfläche glatt und glitschig, so befindet sich eine organische Belastung (Algen) im Wasser. Dies ist ein Indiz für einen zu geringen Sauerstoffgehalt des Wassers, was zum „Umkippen“ eines Gewässers führen kann.

Wenn auch nicht jedes Kleinlebewesen ein Indikator für eine gute Wasserqualität ist, so kann man dennoch sagen, dass in einem unbelasteten Gewässer eine reichhaltige Artenvielfalt an Lebewesen anzutreffen ist. Höchste Vorsicht dagegen ist angeraten, wenn zwar vielleicht viele Lebewesen zu sehen sind, jedoch keine Artenvielfalt festgestellt werden kann!

Insbesondere nach starken Regenperioden kann es sein, dass das Wasser durch Schwebeteilchen (aufgewühlter Schlamm etc.) stark verschmutzt ist. An sich nicht gefährlich, aber sicher auch nicht gesund. Man kann dieses Wasser aber dadurch vorfiltern, indem man am Uferrand nahe des fliesenden Wassers (ca. 50 cm) ein kleines Loch gräbt. In weichem Boden (Sand, weiches Erdreich etc.) geht das auch ohne Hilfsmittel mit dem Fuß. Das dann dort einsickernde Wasser wird durch das Erdreich vorgefiltert und ist deutlich klarer.

Achtung!

Als Trinkwasser für den Menschen ist dieses Wasser – und mag es noch so klar sein – auf keinen Fall geeignet! Hierfür müsste es mindestens 10 Minuten abgekocht werden um die meisten Krankheitserreger abzutöten. Oder aber besser noch mit chemischen Mitteln behandelt werden (z.B. Micropur Forte ® - Mitnahme sinnvoll auf Wanderritten)


Mehr Info: http://www.hajo-seifert.de/wander/tip/Wasser.htm --Hajo Seifert 11:29, 6. Dez. 2007 (CET)


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