Wanderreiten - die neue Art des Pferdesportes

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Inhaltsverzeichnis

„Das Wanderreiten wird in Reiterkreisen leider immer noch als „Stiefkind“ behandelt, und nicht selten rümpft man die Nase über die oft abenteuerlich gekleideten Reiter. Doch gerade der Wanderreiter beschäftigt sich intensiv mit Erziehung, Ausbildung, Haltung und Fütterung seines Pferdes.“

Ein Wanderritt, ob nun Tagesritt oder Mehrtagesritt ist in den heutigen Zeiten eines der letzten Abenteuer.


Die nachfolgenden Erläuterungen sind eine kurze Zusammenfassung des Buches „Mit Pferden Unterwegs“ von Robert Claus & Sabine Schmitt. Robert Claus ist VFD-Wanderrittführer mit umfangreicher Erfahrung in der Ausbildung von Wanderreitern. Sabine Schmitt ist eine passionierte Wanderreiterin. Sie arbeitet journalistisch für die Tagespresse und reitsportliche Fachzeitschriften. Ihr könnt dieses Buch vom „Kosmos-Verlag“ erhalten. Die Zitate sind durch Anführunsstriche gekennzeichnet.

Persönliche Anmerkung:

Bei den geschilderten Maßnahmen zur Vorbereitung und Training von Mensch und Tier sind Ritte ab fünf Tagen und länger gemeint.

Abwandlungen des Trainings entsprechend eures Vorhabens sind möglich.

Mein Bruder, ich sowie meine Schwägerin sind weder durchtrainiert, noch haben wir außergewöhnliche Kenntnisse in Pferdehaltung und Erster Hilfe. Auch unsere Pferde sind keine Leistungssportler, eher bezahlte Urlauber. Wenn man die Ritte entsprechend dem Leistungsvermögen aller Beteiligten gestaltet, ist es auch für "normale" Reiter zu schaffen.

Das Wanderreitpferd

Grundsätzlich ist jedes Pferd mehr oder weniger geeignet. Die Ausbildung muss dem rassetypischen Verhalten angepasst werden.

Das ideale Wanderreitpferd wäre ein Pferd mittlerer Größe mit kurzem kräftigen Hals, breiter Brust, quadratischem Körperbau, kräftiger Hinterhand und gerader Beinstellung. Es sollte nervenstark und einen natürlichen Vorwärtsdrang haben.

Die Pferde können in jedem Alter an einem Wanderritt teilnehmen. Ein junges Pferd, das mit vier Jahren eingeritten wurde, sollte etwa ein Jahr mit mäßigem Tempo im Gelände geritten werden, damit es lernt, sich auszubalancieren und Geländeschwierigkeiten zu bewältigen. Nach einer Grundkonditionierung können Pferde bereits mit fünf Jahren an einem Wanderritt teilnehmen.

Dabei ist natürlich zu berücksichtigen dass es bei den verschiedenen Pferderassen auch ausgesprochene Spätentwickler gibt (z.B. Isländer, aber auch z. B. Friesen!). Entsprechend später kann natürlich erst mit dem Einreiten und danach mit dem Training begonnen werden.

Ein Höchstalter gibt es nicht. Manche Pferde sind mit 20 schon reif für die Rente, während andere noch an Distanzritten teilnehmen.

Vorbereitung und Training von Pferd und Reiter

Training des Pferdes

Wer sein Pferd gesund ans Ziel bringen will, sollte frühzeitig mit dem Training beginnen. Neben der Konditionierung, auf die ich gesondert eingehe, sollte ein Pferd folgende grundlegende Dinge gelernt haben.

  • Stillstehen beim Aufsitzen (auch, wenn der Reiter von rechts aufsteigt!)
  • müheloses Führen aus verschiedenen Führpositionen
  • angebunden ruhig zu stehen, auch über einen längeren Zeitraum
  • problemloses Wechseln der Position in der Gruppe
  • Sicherheit im Straßenverkehr
  • sich selbständig im Gelände auszubalancieren
  • vorwiegend auf Gewichts- und Schenkelhilfen zu reagieren
  • bei Begegnungen mit anderen Tieren (auch Wild) gelassen bleiben


Eine gute Ergänzung der allgemeinen Ausbildung ist Dressurarbeit und Übungen zur Desensibilisierung des Pferdes. Gute Übungen sind

  • Flatterbänder
  • auf das Pferd zurollende Bälle, das Öffnen von bunten Regenschirmen
  • das Reiten über Folien und Wippen

Konditionierung des Pferdes

Am Anfang wird viel Schritt geritten. Nur durch kurze Strecken in ruhigen Trab unterbrochen. Die Ritte sollten zwei bis drei Stunden (zehn bis 15 Kilometer) dauern. Ideal wäre vier- bis fünf mal pro Woche. Nach zwei bis drei Wochen sind die Pferde so fit, größere Belastungen zu überstehen. Die Ritte sollten jetzt auf 15 bis 20 Kilometer ausgedehnt werden. Das Training kann folgendermaßen gestaltet werden: 5 Min. Trab, 15 Min. Schritt bis zu zwei Stunden. Die Trabdistanz wird, je nach Verfassung von Tag zu Tag gesteigert. Nach ca. einem Monat sind die Pferde meist in der Lage, 45 – 60 Min. durchzutraben. Sie heben nach dieser Belastung einen Pulswert von 68 bis 72 in der Minute. Nach einer zehminütigen Schrittphase liegt die Pulsfreuenz zwischen 56 und 64 pro Min. Zwischendurch gibt es immer wieder Tempowechsel im langsamen Galopp und einem schnellen Trab. „Diese Tempowechsel sind wichtig, , damit die Pferde lernen, ihre Kraft einzuschätzen. Es gehört zum Ausdauertraining, dass die Tiere das jeweils vorgegebene Tempo einhalten, ohne schneller zu werden und dadurch unnötig Kraft verbrauchen“

Training des Reiters

Ein Reiter sollte

  • eine Laufstrecke von 5 Kilometern in 30 Minuten schaffen
  • 1000 Meter im Schwimmbad in 25 bis 30 Minuten zurücklegen oder
  • 2 Stunden durchradeln können.

Ausrüstung

Sattel

Für Geländereiter wurden verschiedene Sättel entwickelt. Folgende Sättel sind bei Wanderreitern beliebt und haben sich bewährt.

  • Trekker – eine Weiterentwicklung des deutsch italienischen Militärsattels
  • Forestier
  • Stockmannsattel von Syd Hill
  • German Saddleman von Christoph Rieser
  • Husarensattel von Bertrand Fahy
  • Swing Tree von Peter Grassel
  • Westernsattel
  • Militärsättel
  • Iberische Sättel

Geeignete Wanderreitsättel sind Trachtensättel, durch welche das Gewicht des Reiters und gegebenenfalls des Gepäcks großflächig und gleichmäßig auf dem Pferderücken verteilt wird. Befestigungsmöglichkeiten (eingearbeitete Ringe) für Packtaschen etc. sollten in ausreichender Anzahl vorhanden sein.

Nicht geeignet für längere Ritte (Mehrtagesritte) sind Sportsättel (wie Vielseitigkeits-, Dressur- und Springsättel), da sie eine zu geringe Auflagefläche auf dem Pferderücken haben und dieser dadurch punktuell stärker belastet werden.

„Schabracken eignen sich weniger für Wanderritte, da sie sehr dünn sind, den Pferdeschweiß völlig aufnehmen und nach dem Trocknen hart werden.“

Kopfstück

Das Kopfstück sollte sich leicht an- und ausziehen lassen.

Zäume ohne Stirnriemen und/oder ohne Kehlriemen (auch Einohrzäume) sind für das Gelände- und Wanderreiten nicht geeignet (diese sind mehr für den Sport oder für die Show gedacht und damit der Pferdekopf besser zur Geltung kommt) Wenn sich das am Kopf geschwitzte Pferd mal kurz schüttelt, um z.B. Fliegen abzuwehren fallen derartige Zäume schnell herunter ....!

Viele Wanderreiter bevorzugen auch Kombinationshalfter (Wanderreithalfter), welche die Funktionen eines Reithalfters und des Stallhalfters in sich vereinen. So muß man nicht immer auch noch zusätzlich ein Halfter zum Anbinden des Pferdes mitführen.

Sperrhalfter jeglicher Art (z.B. hann. Sperrhalfter) werden von Wanderreitern eher als Gewalteinwirkung (dem Pferd das Maul zubinden) abgelehnt. Bei einem entsprechenden Ausbildungsstand von Pferd und Reiter sind sie auch völlig unnötig.

Trense

Bewährt haben sich „Westernstange“ und „Tellington-Jones Gebiss“ Vorsicht ist geboten bei einer gebisslosen Zäumung wie der Hackamore (Bosal und Mecate). Die Pferde müssen dafür speziell ausgebildet sein.

Darüber hinaus birgt das Reiten mit gebissloser Zäumung im Straßenverkehr auch erhebliche Haftungsrisiken für den Reiter, wenn es mal zu einem Unfall kommen sollte. Die Rechtssprechung geht bislang davon aus, dass mit gebissloser Zäumung nicht ausreichend auf das Pferd eingewirkt werden kann und diese Ansicht (man muss diese Ansicht nicht teilen!) führt zur Einschätzung des fahrlässigen oder gar grob fahrlässigen Verhaltens des Reiters im Straßenverkehr!

siehe Recht & Unrecht

Karte und Kompass

Bewährt haben sich Topographische Karten 1:25.000 und 1:50.000. Man kann aber auch aktuelle Wanderkarten verwenden. Im dichtbesiedelten Deutschland ist ein Kompass nicht unbedingt nötig. Thopographische Karten erhält man beim Landesvermessungsamt (LVA). Mittlerweile führen sie aber auch einigen Buchhandlungen. Wanderkarten kann man in jeder Buchhandlung erwerben.

Für den Notfall

  • Lederreparaturset
  • Hufbeschlagswerkzeug (nur, wenn man damit umgehen kann)
  • Erste Hilfe Paket (nötig, um verletzte Pferde oder Reiter bis zum Eintreffen des Arztes zu versorgen. Im Gelände sind Ärzte nicht sofort da)

Grundkenntnisse in Erste Hilfe beim Pferd und Reiter sollte man sich auch angeeignet haben.

Beachten sollte man auch, dass einige Pflanzen für Pferde giftig sind. Dieses Wissen ist wichtig um den richtigen Anbindeort für das Pferd zu bestimmen.

Die wichtigsten Giftpflanzen:

  • Goldregen – Parks, Vorgärten – Kolik, Krämpfe, Atemlähmung
  • Bilsenkraut – Wegränder – Unruhe, Gleichgewichtsstörungen
  • Gift-Wasserschierling – Sümpfe, Teichränder – Krämpfe, Tod durch Atemlähmung
  • Sumpfschachtelhalm – feuchte Wiesen – Erregung, Verlust der Reflexe
  • Herbstzeitlose – Wiesen, Waldlichtungen – Kolik, blutiger Urin, 50 %-tig tödlich
  • Eibe – Parks, Gärten – Atemlähmung, 150 Gramm Nadeln tödlich

Im Normalfall verhindert der Instinkt des Pferdes eine Vergiftung.

Das Grasen auf aktiv genutzten Kuh- und Schafweiden sollte auch vermieden werden, wegen der möglichen Übertragung von Krankheiten.

Füttern und Tränken

Auch während eines Wanderittes sollten die gewohnten Fütterungszeiten eingehalten werden. „Allerdings sind Verdauungs- und Ruhepausen zu beachten. Also auf keinen Fall unmittelbar nach Kraftfuttereinnahme losreiten oder während des Fütterns satteln oder putzen.“ Erst Füttern und dann die morgentlichen Aktivitäten aufnehmen.

Auch während eines Rittes sollte mehrmals getränkt werden. Dazu sind auch Pfützen, Bäche oder Brunnen zu gebrauchen. Einem stark erhitzten Pferd, darf erst nach Normalisierung der Atmung und des Pulses Wasser angeboten werden.

Wichtig ist auch die Erhaltung des Mineralhaushaltes (Elektrolyte) des Pferdes. Es werden bereits entsprechende Produkte angeboten.

Nach Beendigung des Rittes, sollte die Futtermenge wieder zurückgesetzt werden.


Weiter tiefergehendere Informationen könnt Ihr dem anfangs genanntem Buch entnehmen. Informationen bekommt Ihr aber auch über Vereine, Verbände und Ausbildungsbetriebe, die sich für das Wanderreiten einsetzen.

Wanderreitstationen in Thüringen

Hinweis

Zur Ausrüstung des Gelände- und Wanderreiters gibt es einen ganz tollen Lehrfilm von Wanderreiten-Schraeder

--Hajo Seifert 02:13, 9. Dez. 2007 (CET)


Autor Katrin

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