Tipps zur Vermeidung und Bewältigung von Problemen im Gelände

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Inhaltsverzeichnis

Vorweg ein paar Worte

Alle Reiter (eingeschlossen meiner Wenigkeit) hatten die gleichen Ängste und Probleme, als sie beschlossen gemeinsam mit ihrem Pferd das Gelände um Platz und Halle für sich zu erobern.

Meist sind wir Reiter selber an den anfänglichen Problemen mit dem Pferd im Gelände schuld.

Hauptursache dafür ist die eigene "Angst".

Wenn Ihr belastet, durch alle möglichen Schreckensbilder und Befürchtungen aufsteigt beunruhigt Ihr euer Pferd. Unser Pferd spürt genau, was in uns vorgeht. Sein Verhalten ist meist nur ein Spiegelbild unserer Gefühle. Da euer Pferd nicht weiß wovor Ihr Angst habt,verbindet es eure Unruhe mit der neuen Umgebung. Es beobachtet dadurch ängstlich jede Veränderung, erschrickt förmlich vor einem Regenwurm und ist jederzeit zur Flucht bereit.

Ihr wiederum sitzt verkrampft auf eurem Pferd und könnt nicht den Bewegungen eures Pferdes folgen. Einen festen Sitz erreicht man so leider nicht. Das Risiko, dass Ihr bei einem plötzlichen Ausweichen oder kleinen Sprung eures Pferdes stürzt ist wesentlich erhöht.

Einige Reiter knebeln vor Angst das Pferd oder schrauben es derart zusammen, dass zur Unsicherheit des Pferdes auch noch die Auflehnung gegen die harte Hand kommt.

Voraussetzung für das Reiten im Gelände ist, dass Ihr eure Ängste überwindet, damit Ihr eurem Pferd, dass euch als Leittier betrachtet die nötige Sicherheit vermittelt.


Empfehlenswert ist ,

die ersten Ritte nicht alleine zu machen. Sucht Euch einen erfahrenen Reiter zu dem Ihr Vertrauen habt. Reitet das erste mal nur mit ihm und keinem weiteren Reiter aus. So könnt Ihr und euer Pferd sich besser konzentrieren.

  • die Unterhaltung mit dem anderen Reiter lenkt euch ab und er kann euch sofort Tipps geben,
  • das geländesichere Pferd wirkt beruhigend auf euer unerfahrenes Pferd,
  • euer "innerer Schweinehund" bringt euch dazu, dass Ihr euch zusammenreißt. Denn ein ängstliches Aufgeben ist peinlich.
  • und nicht zuletzt ist es eine Frage der Sicherheit.

Meine Erlebnisse und Erfahrungen

Als Kind trieb ich mit einem Hirten von der LPG ca. 100 Kühe im Wald von Wiese zu Wiese. Es waren ganz große braune Kühe mit noch größeren Glocken und die üblichen schwarz-weißen kleinen Kühe dabei. Die Brauen waren ganz lieb, aber die Schwarz-Weißen waren starrköpfig und leicht aggressiv. Eine von diesen Biestern griff mich an. Seitdem kann ich sie nicht mehr leiden und mir wird flau im Magen, wenn ich sie sehe. Jedes mal, wenn ich mit meinem Pferd auf eine Weide mit Milchkühen zureite, fängt unter mir das absolute Chaos an. Meine Kleine hatte allerdings in ihrem ganzen Leben noch keine schlechten Erfahrungen mit Kühen gemacht. Bei Braunen trottet sie auch völlig desinteressiert vorbei.

Also an wem liegt es? Betrachtet unter diesem Aspekt mal die Spinnereien eurer Pferde. Vielleicht seid Ihr daran schuld. Wenn wir Angst vor einer Aufgabe oder Situation haben, sendet unser Körper alle möglichen Signale aus, die unser Pferd sofort registriert.

Ihr könnt eure Bedenken oder Ängste vor eurem Pferd verheimlichen, indem ihr, durch tiefes Ein- und Ausatmen euren Herzschlag senkt und Euch auch dadurch selbst beruhigt. Es hilft auch, wenn ihr singt, klingt blöd, aber wirkt. Ihr lenkt euch damit unbewusst vom Problem ab. Indem Ihr euch nämlich auf die Melodie (und ist sie noch so falsch) konzentriert, hat das vermeintliche Problem nicht mehr eure ungeteilte Aufmerksamkeit (verliert also etwas an Bedeutung). Ein guter Trick ist auch abschnauben. Hier müsst ihr wieder tief Luft holen und signalisiert eurem Pferd noch dazu arttypisch akustisch, dass ja alles halb so schlimm ist.

Wenn Ihr zum Beispiel an einem Flatterband, grell buntem Gegenstand oder anderen persönlichen Monstern eures Pferdes vorbei müsst und ihr keine Möglichkeit habt diese zu Umgehen oder auszuweichen hilft es, wenn Ihr allein seid, abzusteigen, und euch zwischen die Gefahr und eurer Pferd zu stellen. Ihr seid in diesem Moment das Leittier und gebt eurem Pferd Sicherheit und Geborgenheit. Aber auch hier müsst Ihr euch im Griff haben. Noch dazu ist diese Seite auch die sichere für euch. Auf der anderen Seite, würde euch euer Pferd gefährden, da es versucht auszuweichen. Das wäre dann euer Pech, weil ihr einfach im Weg seid.

Seid ihr zu zweit, reitet der Reiter mit dem ruhigeren Pferd auf der Gefahrenseite.

Ich habe in meiner allerersten Reitstunde (es war tiefster Winter) im Gelände erlebt, wie mein Pferd auf einer völlig vereisten stark abschüssigen Straße einfach die Hinterbeine einknickte und praktisch auf dem Hintern runterrutsche. Hätte ich nie für möglich gehalten. Der Reitlehrer hatte zuvor nur gesagt, mach Dich locker, gib die Zügel hin und überlas es dem Pferd. In einem Reiturlaub in den Dolomiten erlebte ich noch ganz andere Dinge. Mein Vertrauen in das Können der Pferde ist dadurch fast unumstößlich.

Gegenseitiges Vertrauen ist überhaupt ein Zauberwort im Gelände. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihr auch wirklich das Leittier in eurem Team seid.

Begegnungen im Gelände

Auch eine Gefahr sind Fußgänger und Fahrer.

Es gibt zum Beispiel Fußgänger, die aus Höflichkeit oder Angst ausweichen. Im freien Gelände ist das sehr nett. Hier können die Pferde das Geschehen verfolgen und sehen keine Gefahr darin. Bei Hecken und Bäumen sieht es damit anders aus. Meist treten die Fußgänger hinter die Büsche oder Bäume und verhalten sich ganz ruhig, damit die Pferde sich nicht erschrecken. Da aber die Pferde sie weder richtig sehen oder hören können, werden die Fußgänger zu einer potenziellen Gefahr. Einfache und wirksame Methode. Sagt einfach „Guten Tag“ und verwickelt die Menschen in ein Gespräch. Das Pferd kann erkennen, dass keine Gefahr besteht und Ihr vermittelt ein nettes Bild vom Reiter.

Fahrern signalisiert Ihr von weiten, dass sie die Geschwindigkeit vermindern oder ganz anhalten sollen.

Bei Begegnungen mit anderen Reitern, bereits von weitem in Schritt übergehen oder ganz anhalten.

Das gleiche gilt bei Fußgängern.

Bei einer Begegnung mit anderen Pferden provoziert ihr, bei unvermitteltem Tempo möglicherweise,dass andere Pferde verrückt spielen.

Auch, wenn ein Pferd meint es müsste unbedingt ein Rennen gewinnen, immer als Gruppe das Tempo vermindern oder ganz anhalten. Das Pferd merkt dann sehr schnell, dass es sich von der Herde entfernt und wird anhalten. Erst dann wieder im ruhigen Tempo zum Ausreißer hin reiten. Bleibt die Gruppe stehen, kann es passieren, dass das Pferd genauso schnell zurück will, wie es weg wollte. Niemals dem Reiter helfen wollen und hinterher reiten, das wird ein sinnloses Wettrennen und gefährdet den oder die Reiter zusätzlich.

Einige Tipps

  • sollte der Weg vom Untergrund her unsicher sein, oder Äste und Steine im Weg liegen vertraut eurem Pferd. Macht es darauf aufmerksam und lasst es selbst den Weg suchen. Ihr bestimmt nur die grobe Richtung und das Tempo.
  • steile Hänge immer senkrecht nach oben oder unten reiten. Schräges Reiten führt zu Abrutschen(Zerrungen) oder zum Überschlagen. Auch bei matschigen Wegen, lieber mitten durch, als seitlich auf die Schräge auszuweichen. Das kann ebenfalls zu Zerrungen führen.
  • nur leicht überfrorene Pfützen möglichst umgehen. Wenn sie etwas tiefer sind, können die Bruchstellen das Pferd verletzen.
  • wenn euer Pferd sich seinen Weg sucht etwas strauchelt oder rutscht, den Zügel hingeben und gewichtsmäßig nicht gegenwirken damit es sich besser ausbalancieren kann. Der Hals unseres Pferdes hat die gleiche Aufgabe, wie z.B. der Schwanz unserer Katzen, er dient dem Ausbalancieren. Wenn Ihr also, weil Ihr ängstlich seid, die Zügel aufnehmt bringt Ihr eigentlich nur euch und euer Pferd in Gefahr.
  • abgeerntete Maisfelder nicht mit Stoppelfeldern verwechseln. Die äußerst harten und stabilen "Stoppeln" des Maises können zu ernsten Verletzungen des Pferdes führen.
  • sorgt für die nötige Verkehrssicherheit.

Katrin

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