Pferdekauf - was muss ich beachten?
Aus Reiterforum-Thueringen
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Das richtige Pferd finden
Bevor Ihr ein Pferd kauft, müsst Ihr euch klar darüber sein, wie Ihr euer Pferd nutzen möchtet und welchen Typ Pferd Ihr bevorzugt.
- Hier ist ganz wichtig, dass Ihr Euer Pferd kauft und nicht das Pferd, dass die anderen Reiter von Euch erwarten.
Siehe auch Reiten ist schön und macht Spaß
Die richtige Rasse
Welche Rasse die richtige für Euch ist, hängt vom Einsatzzweck ab.
Als Freizeitpferd sind fast alle Rassen geeignet, geht Ihr viel ins Gelände und reitet gerne zügig, dann ist eine schwere Rasse nicht ganz so geeignet. Umgekehrt ist ein Vollblüter mit zwei Ausritten im Schritt pro Woche nicht ausgelastet. Ein Geländepferd sollte auch nicht unbedingt das Größte sein.
Wollt Ihr Turniere reiten, schränkt sich die Auswahl deutlich ein. Kaltblüter und knufflige Ponyrassen sind nicht empfehlenswert. Wer Dressur reiten will, sollte sich kein Gangpferd kaufen, da bei diesen Rassen die Standardgänge Schritt, Trab und Galopp nicht so gut ausgeprägt sind. Auch Traber eignen sich nur bedingt zum Dressurreiten, da ihr der Galopp häufig nicht gut unausbalanciert ist.
Gangpferde eignen sich eher für das Freizeitreiten und auch sehr gut für ältere Reiter und Reiter mit körperlichen Problemen, da sie sehr bequeme und rückenschonende Gänge haben.
Barockpferde , wie Andalusier und Friesen haben gute Anlagen für die Dressur, werden in den höheren Klassen aber häufig nicht gerne gesehen.
Kaltblüter und Pferde schwereren Typs, wie zum Beispiel Tinker, zeichnen sich auch nicht gerade durch die nötige Leichtfüßigkeit aus.
Wer Springen möchte, sollte sich für Warmblutrassen und Englische Vollblüter entscheiden. Viele Ponyrassen springen zwar auch gut, sind aber durch ihre kleine Körpergröße weniger dafür geeignet.
Wer sich für das Westernreiten interessiert, sollte ein mittelgroßes Pferd auswählen, da größere Pferde Probleme mit den Stopps und den schnellen Wendungen haben. Außer den typischen Westernpferderassen, eignen sich aber auch Haflinger und Araber sehr gut zum Westernreiten. Im Moment ist es allerdings leider so, dass Ihr mit eurem Außenseiter Schwierigkeiten im Turniersport erwarten könnt. Sie werden zwar mittlerweile wieder zugelassen, sind aber nicht gerne gesehen.
Wer Distanzritte plant und auch gewinnen möchte, hat nur wenig Auswahlmöglichkeiten. Es hat sich herausgestellt, dass meist nur Pferde mit einem großen Vollblutanteil die hohen Belastungen aushalten und die nötige Ausdauer mitbringen.
Einige von Euch träumen von einem rassigen Hengst. Bedenkt bitte, dass ein Hengst immer getrennt von den anderen Pferden gehalten werden muss. Das bringt auf Turnieren und auch im Freizeitreiten Probleme mit sich.
Die richtige Größe
Hier ist das wichtigste, dass Ihr euch auf dem Pferd wohlfühlt. Die Größe von Pferd und Reiter sollten zwar einigermaßen zusammenpassen. Dafür sprechen aber vorrangig nur praktische Gründe.
Ein kleiner Reiter hat mit einem 1,80 m Pferd viele Probleme beim Putzen, Satteln und Aufsteigen. Wer selber klein ist, für den ist ein Pferd zwischen 1,40 und 1,60 m Stockmaß besser geeignet als ein Shire-Horse.
Umgekehrt hat es ein kleines Pferd mit einem großen Reiter manchmal Probleme, den durch den großen Reiter sehr weit oben liegenden Schwerpunkt auszubalancieren.
Reiter die größer als 1,80 m sind, wäre ein Pferd mit einem Stockmaß über 1, 70 m günstiger. Es besteht sonst die Gefahr, sehr schnell durchgelaufener Sohlen . Das ständige Mitlaufen macht auch der beste Stiefel nicht lange mit.
Aber das alles sind keine Vorschriften.
Das richtige Alter
Junge Pferde gehören in erfahrene Hände, da ein Pferd schnell gefährlich wird, wenn es nicht oder falsch erzogen wird.
siehe auch Führ(ungs)positionen
Für einen Anfänger ist daher ein schon etwas älteres ca. 8 Jahre altes, erfahrenes Pferd besser geeignet. Bei diesen Pferden ist die Ausbildung gefestigt und sie sind aus den Flegeljahren raus.
Wer Erfahrung und Zeit hat, kann sich auch ein junges Pferd zwischen 3 und 4 kaufen. Ihr müsst allerdings wissen, dass es auf jeden Fall zwei Jahre dauert, bis ein Pferd einigermaßen sicher ausgebildet ist. Ein Vorteil ist aber, dass Ihr das Pferd selber ausgebildet habt und es vorher kaum verdorben werden konnte..
Bei einem Fohlen kauft Ihr die Katze im Sack . Außerdem mußt Ihr erst einmal mindestens drei Jahre in das Pferd investieren ehe Ihr es überhaupt reiten könnt. Es stellt sich auch erst nach diesen drei Jahren heraus, ob sich das Pferd überhaupt für den gewünschten Zweck einsetzen lässt.
Der Vorteil eines Fohlens ist, dass Ihr das Pferd von Anfang an selber erzieht und selbst bestimmt, wie Euer Pferd aufwächst. Dazu gehört aber eine Menge Pferdeverstand. Meist sind Beritt und Unterricht vom Profi notwendig, um ein Reitpferd aus dem Fohlen zum machen. Diese Kosten sind nicht zu unterschätzen.
Habt Ihr ein Pferd gefunden, dass Euch gefällt prüft es genau.
nehmt zur Besichtigung eine neutrale Person mit
Man hat sich sehr schnell in ein Pferd verguckt und verliert dadurch die Objektivität, weil man mit dem Herzen denkt. Eine neutrale Person bleibt "cool" und kann Euch auf etwaige Mängel oder Probleme hinweisen.
Fragt einen Bekannten mit Pferdeerfahrung, ob er Euch begleitet. Sehr gut wäre natürlich die Beratung durch einen Reitlehrer oder Bereiter Eures Vertrauens. Zuvor müsst Ihr allerdings Eurem Berater erklären, was Ihr euch für ein Pferd vorstellt und wofür Ihr es nutzen wollt.
Außerdem habt Ihr einen Zeugen, der im Streitfall vom Händler gemachte Aussagen zum Pferd bestätigen kann.
Lasst Euch das Pferd vorreiten. So könnt Ihr sehen, wie sich das Pferd unter dem Reiter verhält. Außerdem habt Ihr Gelegenheit die Gänge des Pferdes in Ruhe anzuschauen und zu kontrollieren, ob die Angaben zum Ausbildungsstand des Pferdes stimmen.
Danach setzt Euch selber auf das Pferd. Auch, wenn alles stimmt und Euer Begleiter keine Einwände hat ....
nehmt Euch Zeit für eure Entscheidung
Kauft nicht gleich beim ersten Anschauen, sondern überschlaft das Ganze und vereinbart dann einen zweiten Termin.
Macht einen zweiten Testritt. Lasst Euch das Pferd direkt aus dem Stall oder von der Koppel geben. So wird es später immer sein. Ihr bekommt ein frisches, nicht abgerittenes Pferd.
Klappt diesmal auch alles und Ihr findet das Pferd immer noch wunderschön ist, prüft die Gesundheit des Pferdes.
sinnvoll ist eine Ankaufsuntersuchung
Ihr könnt zwar das äußere Erscheinungsbild des Pferdes einschätzen, aber ob es wirklich gesund ist kann Euch nur einArzt bestätigen.
Nachteil ist allerdings, dass so eine Untersuchung nicht kostenfrei ist.
Vorteil, sie kann Euch etwaige zukünftige Tierarztkosten ersparen.
- Es gibt zwei Varianten für die Ankaufsuntersuchung
Die Standarduntersuchung
Untersuchung des Allgemeinzustands des Pferdes ca. 15 €(hierzu gehören die nachfolgenden Positionen)
- Abhören von Herz und Lunge,
- Kontrolle von Haut und Fell,
- Feststellen von Temperatur, Puls und Atemfrequenz,
- Abtasten von Beinen und Rücken,
- die Kontrolle des Bewegungsablaufes, Lahmheiten _ Vorführung des Pferdes auf gerader Strecke und in einer engen Wendung - Vortraben sind eine zusätzliche Untersuchung ca. 25 €
Nach dieser einfachen Kontrolle wisst Ihr, ob das Pferd offensichtliche Krankheiten oder Schmerzen hat.
(Nach der vergangenen Pferdeseuche in Thüringen ist es sinnvoll auch eine Blutprobe nehmen zu lassen.)
Die erweiterte, umfassende Untersuchung
Hier werden zusätzlich zur Standarduntersuchung noch Röntgenbilder gemacht.
- Üblich sind hier zehn Aufnahmen von den Beinen. Dabei werden Huf und Fessel jeweils aus zwei Blickwinkeln und an den Hinterbeinen die Sprunggelenke geröntgt.
- Auf Wunsch können noch weitere Aufnahmen vom Knie und den Dornfortsätzen gemacht werden.
- Möglich sind auch endoskopische Untersuchungen, bei Hengsten Samenproben und Ultraschall-Untersuchungen. Bei Zuchttieren sollte das Blut auf Herpes-Viren hin untersucht werden.
- Durch die Röntgenbilder sollen vor allem Spat, Hufrollen-Veränderungen und Chips erkannt werden.
- Ist das Pferd im Rücken empfindlich, ist es sinnvoll die Dornfortsätze mit zu röntgen.
Die Ankaufsuntersuchung kostet je nach Aufwand zwischen 200 und 500 Euro.
Wer die Kosten trägt ist Verhandlungssache. Oft zahlt der Verkäufer die Standarduntersuchung und der Käufer übernimmt die weiteren Kosten für zusätzliche Kontrollen.
Prüft, ob Euer Tierarzt die Haftung für falsche Ergebnisse bei der Ankaufsuntersuchung nicht ausschließt. Die Ergebnisse sollten in einem Protokoll schriftlich festgehalten werden + Kopien der Röntgenbilder . So haben haben beide Vertragspartner Beweise für den Zustand des Pferdes zum Zeitpunkt der Untersuchung.
Abschluß eines Kaufvertrages
Früher war es üblich, Pferde per Handschlag zu kaufen Der Handschlag beim Pferdekauf ist auch heute noch rechtlich verbindlich,. aber die schriftliche Bestätigung durch einen Vertrag ist anzuraten. Ein detaillierter Kaufvertrag hat für beide Seiten Vorteile und bietet absolute rechtliche Sicherheit. Dazu hat die FN ein Merkblatt veröffentlicht.
- Der Vertrag sollte folgende Daten enthalten
- Name des Pferdes
- Aussehen, Alter und Abstammung
- sinnvoll ist vor allem die Lebendnummer
- Gesundheitszustand (Ankaufsuntersuchung)
- zugesicherte Eigenschaften, wie Turniererfolge und Charaktereigenschaften .
- Entspricht das Pferd der Beschreibung, hat der Verkäufer damit kein Problem damit. Stellt sich aber später heraus, dass das Pferd eine der zugesicherten Eigenschaften nicht hat, habt Ihr etwas schriftliches in der Hand. Ihr könnt im Streitfall beweisen, dass Ihr das Pferd unter falschen Voraussetzungen gekauft habt.
- Zahlungsmodalitäten und die Adressen von Käufer und Verkäufer.
- Aufzählung der übergebenen Dokumente, wie Pferdepass, Geburtsurkunde u.a.
Ich empfehle, dass Ihr bereits bei der Abholung eures Pferdes eine Tierhalterhaftpflichtversicherung besitzt. Denn Ihr seid bereits von diesem Zeitpunkt an für euer Pferd voll verantwortlich.
Rechtsfragen zum Pferdetransport
Eine Zusammenfassung der wesentlichen rechtlichen Voraussetzungen und Bedingungen zum Pferdetransport mit den Inhalten
- Equidenpass - Pferdepass
- Tiertransport und EG-Verordnung Nr. 1/2005
- Zulässige Anhängelast des Fahrzeugs
- Haftung bei Hängerverleih
- Welcher Führerschein ist erforderlich?
- Sonntagsfahrverbot für schwere Geländewagen
kann zu rein privaten Zwecken unter dem LINK[1] herunter geladen werden
--Hajo Seifert 14:56, 1. Jan. 2010 (UTC)
siehe auch
Diskussion:Pferdekauf - was muss ich beachten?
Bewertungen, Fragen und Meinungen

