Hilfszügel
Aus Reiterforum-Thueringen
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Als Hilfszügel bezeichnet man beim Reiten jede über den eigentlichen Zügel hinausgehende Einwirkung auf den Kopf des Pferdes, meist über das Gebiss. Der Hilfszügel versucht daher immer, einen Einfluss auf die Kopfhaltung des Pferdes auszuüben. Nicht immer ist dieser Einfluss allerdings positiv, manche Hilfszügel können gerade in unerfahrenen Händen den Tatbestand der Tierquälerei erfüllen. Fest steht, dass sie nur für kurze Zeit in den Händen kundiger Fachleute und keinesfalls als Ersatz für mangelhaftes reiterliches Können verwendet werden dürfen.
Hilfszügel können in zwei Unterarten unterteilt werden, in diejenigen, über die der Reiter eine direkte Einwirkung auf sein Pferd erreicht, und in diejenigen, die nur an der Ausrüstung des Pferdes verschnallt sind. Hilfszügel der ersten Art unterstützen geübte Reiter bei der Korrektur und Ausbildung von Pferden. Bei Hilfszügeln der zweiten Art kann der Reiter keinen situationsgebundenen Einfluss auf die Wirkung des Hilfszügels nehmen. Diese werden vornehmlich bei der Ausbildung von Reitern oder der Bodenarbeit und dem Longieren von Pferden eingesetzt.
Speziell junge Reitweisen verzichten auf den Einsatz jeglicher Hilfszügel, um den zwangfreien Umgang zwischen Mensch und Tier zu betonen. Diese Entwicklung trägt der Tatsache Rechnung, dass Hilfszügel mitunter (insbesondere im Springsport) dazu genutzt werden, mangelhaftes Geschick, ungenügende Kondition und vor allem fehlende Geduld des Reiters bei der Arbeit mit seinem Pferd auszugleichen.
Zitate zu Hilfszügeln in der klassischen Reitkunst
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Einige Reiter behaupten, daß man durch den Gebrauch dieses Werkzeugs (Stoßzügel) das in die Hand stoßen und Kopfschlagen eines Pferdes verhüten könnte (..) Man sollte diese Erfindung aus guten Reitbahnen verbannen.François Robichon de la Guérinière, 1733
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Hilfszügel sind dort (in der Kavallerie) meist faule Knechte, die den Schein geben helfen und andere faule Knechte im Nichtstun unterstützen (..) Hilfszügel geben so leicht den Anstrich eines Fortschrittes und sind deshalb bei den Leuten, denen es nicht um das Sein, sondern um den Schein zu tun ist, so beliebt.|Friedrich von Krane, 1870
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Alle todten Vorrichtungen und Hülfszügel, d.h. alle solche, die durch Festbinden und Schnallen eine gleichförmige Wirkung äußern, sind ohne Ausnahme mehr nachtheilig als nützlich, da sie sämtlich verderbend auf das Maul des Pferdes wirken, denn die Eindrücke durch das Gebiss können nur durch die lebende und feinfühlende Hand des Reiters richtig abgewogen werden. Gustav Steinbrecht Gymnasium des Pferdes, 1886
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Es gibt sogar Reiter, die sich mit Pferderausbildung befassen und die in ihrer Rat- und Gefühllosigkeit zum feststehenden Ausbindezügel, zum flaschenzugartig wirkenden Schlaufzügel und anderen sinnreichen Konstruktionen von Hilfszügeln greifen, welche Kopf und Hals des Pferdes herunterziehen und so eine Beugehaltung erzwingen, die eben nur eine Zwangshaltung sein kann. Man kann mit solchen Methoden und der nötigen grausamen Ausdauer beste Pferde zerbrechen und ihnen den Lebensmut nehmen. Udo Bürger Vollendete Reitkunst, 1959
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Die Ausbindezügel werden immer dann verwendet, wenn das Pferd ohne Reiter gearbeitet wird oder aber dieser der Führung des Pferdes weitgehend enthoben werden soll Alois Podhajsky Die Klassische Reitkunst (1965), Seite 239
Beurteilung von Hilfszügeln heute
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Durch Hilfszügel kann die noch unsichere Einwirkung des Reiters auf das Pferd ausgeglichen werden. Der lernende Reiter kann sich also vermehrt auf den Sitz und die Hilfengebung konzentrieren. FN Richtlinien für Reiten und Fahren (1994), Band 1, Seite 87
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Hilfszügel sind für Hilfsschüler. Die Ausbildung eines Pferdes braucht Zeit und Geduld, aber unter gar keinen Umständen Hilfszügel! Claus Penquitt
Stoßzügel und feststehendes Martingal
Der wahrscheinlich älteste Hilfszügel ist der Stoßzügel. Ein Stoßzügel ist die direkte Verbindung des Gebisses mit dem Sattelgurt über einen zwischen den Vorderbeinen des Pferdes laufenden Riemen. So wird das Heben des Pferdekopfes über ein durch die Länge des Stoßzügels vorgegebenes Maß verhindert. Eine seitliche Bewegung des Pferdehalses ist dabei möglich. Das Pferdemaul kann sich damit auf einem Kugelausschnitt um den Anschnallpunkt am Sattelgurt bewegen. Im Sinne der englischen Reitweise korrekt eingeschnallt erlaubt der Stoßzügel dem Pferd das Heben des Kopfes bis knapp vor die Senkrechte. Ein deutlich kürzer geschnallter Stoßzügel beeinträchtigt das Pferd in seiner Balance. Ein deutlich länger geschnallter Stoßzügel erfüllt keinen Zweck mehr. Oft wird als Stoßzügel ein einzelner Ausbindezügel verwendet, der dann mit Hilfe eines Verbindungsstegs zu beiden Gebissringen befestigt wird. So erfolgt die Einwirkung gleichmäßig und das seitliche Herausziehen des Gebisses wird verhindert. Ein feststehendes Martingal ist ein Lederzügel, der in der gleichen Weise am Reithalfter befestigt wird. Er erlaubt, da er keinen elastischen Gummiring wie der Ausbindezügel besitzt, keinerlei Streckung des Pferdes. Die Western-Version des feststehenden Martingals ist das Tie-Down. Es ist ein Bosal, oftmals dessen dünnste Ausführung (Pencil Bosal), an welchem ein feststehendes Martingal angebracht ist. Es wirkt etwas schärfer als die englischen Ausführungen und ist auf Westernturnieren nicht erlaubt. Stoßzügel schränken die Bewegungsfreiheit des Pferdekopfes und damit auch das Blickfeld des Pferdes stark ein und verhindern so ein unkontrolliertes und unkontrollierbares Verhalten des Pferdes. Deswegen kamen Stoßzügel vor allem bei Militärpferden zum Einsatz.
Stoßzügel sind aufgrund der fehlenden seitlichen Begrenzung zum Longieren nicht geeignet. Bei zu langem Einsatz beeinflussen sie die Unterhalsmuskulatur auf negative Weise. Allerdings sind sie wegen der erlaubten Bewegung zur Seite besser geeignet für den Anfängerreitunterricht als etwa der Ausbindezügel, denn sie machen dem Reiter die seitwärts weisenden Lenkhilfen besser anschaulich.
Ausbindezügel (Ausbinder)
Ausbinder sind beidseitig am Sattelgurt angebrachte Stoßzügel von jeweils etwa 90 cm Länge, in der Mitte oft mit einem eingenähten Gummiring versehen, um den Zügel etwas elastischer zu machen, und werden mit Karabinerhaken in die Trensenringe eingeklinkt. Dabei stellt je ein Ausbinder die Verbindung zwischen einem Trensenring und dem Sattelgurt an der entsprechenden Pferdeseite her. Das Pferdemaul kann sich damit auf einem Kreisabschnitt um den Anschnallpunkt am Sattelgurt bewegen. Im Gegensatz zum Stoßzügel wird durch Ausbinder die Bewegungsfreiheit des Pferdehalses auch seitlich begrenzt. Der Ausbinder ist ein zweigeteilter Hilfszügel. Durch seinen Einsatz erreicht man eine gerundete Halshaltung des Pferdes. Dieser Hilfszügel wird vor allem beim Longieren eingesetzt, da er eine seitliche Begrenzung bietet. Ausbinder sind bei der Voltigiervorstellungen vorgeschrieben. Verwendung findet er heute sonst nur noch bei der Arbeit mit Pferden, wenn keine zusätzliche Zügeleinwirkung des Reiters stattfindet, also beim Longieren, der Ausbildung von Reitanfängern oder bei Stuntpferden. Hier bietet er den Vorteil, dass dem Pferd auch seitlicher Halt geboten wird und es nicht so leicht über die Schulter weglaufen (Vermeiden der Längsbiegung durch starke Halsbiegung) oder sich verwerfen (Schiefstellung in der Ganasche) kann. Allerdings sollte er nicht länger als 45 Minuten am Pferd sein, weil sonst eine Verkrampfung der Halsmuskulatur die Folge ist.
Dreieckszügel / Wiener Zügel / Wiener Dreieck / Lorenz-Zügel
Der Dreieckszügel, auch Wiener Zügel genannt (angeblicher Erfinder: Paul Lorenz), ist eine Abwandlung des Ausbinders. Anstatt eine direkte Verbindung zwischen Trensenring und Sattelgurt herzustellen, wird der Riemen zwischen den Vorderbeinen des Pferdes hindurch kommend durch den Trensenring gefädelt und dann seitlich wieder in den Sattelgurt eingeschnallt. Das Pferdemaul kann sich damit auf einer durch die drei Anschnallpunkte am Sattelgurt vorgegebenen Ellipse bewegen. Im Gegensatz zu Stoßzügeln oder Ausbindern ist bei der Verwendung von Dreieckszügeln die Vorwärts-Abwärts Bewegung des Pferdes zumindest in gewissen Grenzen zulässig. Der korrekt verschnallte Dreieckszügel erlaubt das Heben des Pferdekopfes bis kurz vor die Senkrechte. Da der Dreieckszügel die korrekte Ausführung nahezu aller Lektionen ermöglicht, hat er sich als Hilfszügel für die Ausbildung von Reitern durchgesetzt. Ein korrekt verschnallter Dreieckszügel beginnt erst zu wirken, wenn es zu Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Reiter und Pferd kommt und sich das Pferd den ggf. fehlerhaft gegebenen Hilfen widersetzt. Daher ist er für den Anfängerreitunterricht und die Korrektur von Pferden am empfehlenswertesten. Lauffer-Zügel (als Dreieckszügel verwendete Schlaufzügel/doppelte Ausbinder) sind einzelne Riemen, die in Dreieckszügelmanier befestigt werden, anstatt dass sich ein Zügel auf Brusthöhe gabelt.
Schlaufzügel/Pohlmannzügel
Der Schlaufzügel, auch Pohlmannzügel genannt, funktioniert gleich wie der Dreieckszügel, allerdings wird er nicht seitlich am Sattelgurt befestigt, sondern vom Reiter mit in der Hand gehalten. Er ist ein Riemen von ca. 2,75 m Länge. Dadurch kann der Reiter die Länge der Schlaufzügel während des Reitens und ggf. für jede Seite einzeln anpassen. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Gefahr, das Pferd herunterzuziehen etwas größer ist, da die Reiterhand höher ist als der seitliche Sattelgurt. Schlaufzügel dürfen daher nur von absolut fähigen Reitern verwendet werden, denn nur erfahrene Ausbilder sind in der Lage, ein Pferd mit Schlaufzügel zu reiten, ohne ihm dabei zu schaden. Die Tatsache, dass der Reiter den Hilfszügel in der Hand hält, verleitet ihn dazu, über Gebühr Zug daran auszuüben, sodass auch kräftigen Pferden sehr schnell der Kopf bis auf die Brust gezogen wird. Schlaufzügel sind keinesfalls dazu gedacht, ein Pferd zur Beizäumung zu bringen, sondern sie sollen, wenn sie schon eingesetzt werden, die Halsmuskulatur fördern und dem Pferd die Dehnungshaltung nach vorne-unten zeigen. Ständige Benutzung dieses Hilfszügels kann beim Pferd zu physischem und psychischem Schaden führen. Eine Verschnallung des einen Schlaufzügelendes am seitlichen Sattelgurt unterm Sattelblatt ist abzulehnen, weil sie keinerlei Dehnungshaltung ermöglicht und lediglich dazu dient, das Pferd zur Beizäumung zu zwingen. Wer eine Korrektur mit Schlaufzügel beginnt, sollte sich bewusst sein, dass der Zügel wegen der Durchführung durch die Trensenringe wie eine Umlenkrolle wirkt und die Kraft, die von der Reiterhand ausgeübt wird, verdoppelt wird. Die Verwendung von Schlaufzügeln ist seit 2003 auf dem Vorbereitungsplatz von Pferdeleistungsschauen in Springprüfungen zugelassen. Die LPO passt sich damit regeltechnisch einem langjährigen Usus an.
Die Erfindung des Schlaufzügels wird dem Herzog von Newcastle (1592-1676) zugeschrieben. Seine ursprüngliche Bezeichnung war "rênes allemandes" = "deutscher Zügel"! In dieser Epoche blühten noch regelrecht die "Erfindungen für Marterinstrumente" zur Pferdeausbildung!
Thiedemann-Kombination / Köhlerzügel / German Martingal
Die Thiedemann-Kombination, die auch als Köhlerzügel bekannt ist, besteht aus einem Halsriemen, der einen Riemen hält, der zwischen den Vorderbeinen des Pferdes hindurch vom Sattelgurt kommt, dann geteilt wird, jeweils durch einen Trensenring gefädelt und in speziellen Haken am Zügel befestigt wird. Beim Westernreiten wird diese Kombination als "German Martingal" bezeichnet. Der Köhlerzügel ist eine leicht entschärfte Variante des Schlaufzügels mit dem Unterschied, dass der aus dem Trensenring kommende Schlaufzügel in den Trensenzügel eingeklinkt wird. Der Reiter hält also trotz des Hilfszügels nur ein Zügelpaar direkt in den Händen. Die zugelassene Halslänge ist direkt abhängig von der Zügellänge. Die Position, an der der Köhlerzügel in den Zügel eingehakt wird entscheidet über die generelle Schärfe des Hilfszügels. Der Nutzen des Köhlerzügels ist umstritten, da er weder die Vorteile eines Ausbinders hat (Unabhängigkeit von der ungeübten Reiterhand) noch die eines Schlaufzügels (situationsabhängige Einstellung der Wirkungsschärfe).
Aufsatzzügel
Eine Variante des Schlaufzügels, die nur beim Longieren Verwendung finden kann und lediglich einer Modellierung des Pferdehalses dient, keineswegs einer nützlichen Einwirkung auf die Kopfhaltung. Der Aufsatzzügel wird daher oft bei Trainern der amerikanischen Rassen American Saddlebred Horse oder Tennessee Walking Horse benutzt, um eine unnatürlich hohe Aufrichtung des Pferdehalses zu erzielen, wobei die Nasenlinie jedoch kurz vor der Senkrechte bleiben soll. Ein Ende des zweiteiligen Hilfszügels wird am Longiergurt an den Trensenringen angebracht. Je kürzer, desto mehr wird das Pferd zur hohen Aufrichtung + Beizäumung gezwungen, will es den Kopf senken, erfolgt ein schmerzhafter Ruck im Maul. Der Einsatz dieses Hilfszügels ist daher eher fragwürdig und nicht empfehlenswert.
Oberscheck/Overcheck
Eine Variante des Aufsatzzügel für Renntraber, der verhindern soll, dass das Pferd während des Trabrennens in die unerlaubte Gangart Galopp wechselt. Bei kurzer Verschnallung ist es eine tierquälerische Einrichtung schlimmster Sorte. An einem zusätzlichen Gebiss werden in den Gebissringen die Riemen befestigt, die dann über der Stirn des Pferdes zusammenlaufen und dann als ein Zügel zwischen den Ohren hindurch über den Hals hin zum Geschirr geführt und dort festgemacht wird. Dem Pferd wird auch hier der Kopf hochgezogen.
Chambon /Gogue
Chambon und Gogue sind in Deutschland wenig verbreitete Mischformen der verschiedenen Hilfszügel. Kennzeichnend ist, dass der Hilfszügel nicht nur am Sattelgurt befestigt und an bzw. durch die Trensenringe geführt wird, sondern einen zusätzlichen Haltepunkt am Genickstück des Trensenzaums hat. Der Hilfszügel wird vom Sattelgurt zwischen den Vorderbeinen des Pferdes hindurch über einen Ring am Genickstück an (Chambon) bzw. durch (Gogue) die Trensenringe geführt. Durch die zusätzliche Einwirkung über das Genick soll das Pferd angeregt werden, sich vorwärts-abwärts zu dehnen, denn wenn es den Kopf zu hoch hebt, erfolgt u.U. schmerzhafter Druck auf dem Genick und im Maul. Eine Anlehnung kann das Pferd hier aber nicht finden. Chambon und Gogue sollen der Gefahr begegnen, die jeder Hilfszügel birgt: Das Pferd kann sich der Einwirkung entziehen, indem es den Hals einrollt, den Kopf also beliebig nah an den Kreismittelpunkt/Ellipsenbrennpunkt heranführt, im Extremfall (was v.a. beim unsachgemäßen Einsatz vom Schlaufzügel passieren kann) berühren die Nüstern des Pferdes seine Brust. Chambon und Gogue sind harte Hilfszügel, die auch die heftige Gegenwehr des Pferdes hervorrufen können.
Halsverlängerer/Colbert-Zügel
Beim Halsverlängerer handelt es sich entweder um einen Lederzügel oder um einen Zügel aus vollständig elastischem Material, der auf einer Seite am Sattelgurt unterm Sattelblatt befestigt wird, dann durch die Trensenringe gezogen über das Genick führt, auf der anderen Seite wieder durch den Trensenring zurück zum anderen Sattelgurt verläuft. Er soll Pferde, die sich der Anlehnung entziehen, zur Streckung nach vorne-unten verleiten. Der Colbert-Zügel unterscheidet sich nur vom Halsverlängerer, indem die Enden des Hilfszügels, die am Sattelgurt befestigt sind, hier vom Reiter in der Hand gehalten werden, hierdurch ist die Wirkung des Hilfszügels der Willkür des Reiters ausgesetzt, und bei Zügelzug werden negative Eigenschaften von Schlaufzügel, Gogue und Aufziehtrense vereinigt: Das Pferd wird in den Ganaschen eingeengt, es entsteht unangenehmer Druck in Maul und auf dem Genick. Von dieser Variante ist strikt abzuraten.
(Gleitendes/laufendes Ring-)Martingal / Sprungzügel
Beim gleitenden Ringmatingal läuft jeder Zügel durch einen Ring, der jeweils mittels eines Riemens an einem Halsriemen oder dem Vorderzeug befestigt ist. Der Halsriemen ist lose um den Pferdehals auf Höhe der Pferdeschulter gebunden und wird über eine Verbindung zwischen den Vorderbeinen hindurch zum Sattelgurt in Position gehalten. Abhängig von der Zügellänge wird das Pferd so daran gehindert, den Kopf über das vorgegebene Maß zu heben. Ebenfalls entscheidend für die erlaubte Höhe des Pferdekopfes ist die Länge des Riemens zwischen dem Ring und dem Halsriemen. Ursprünglich war das gleitende Martingal dazu gedacht, als Umlenkrolle zu dienen, damit der Zügelzug gleich bleibend auf die Maulwinkel wirkt. Auf Brusthöhe gabelt sich der vom Halsriemen kommende Hilfszügel zu einem Y und endet in jeweils einem Ring, durch welchen jeweils die Trensenzügel geführt werden. Das Martingal muss so verschnallt werden, dass die im Sinne der englischen Reitweise korrekte Zügellinie (direkte Verbindung vom Pferdemal zur Reiterhand bei einem sich in Anlehnung befindlichen Pferd) nicht bricht, also kein Knick im Zügel entsteht, sonst bekommt es eine mechanische Hebelwirkung und die Präzision der Zügelhilfen wird gestört. Wird eine Zäumung mit zwei Zügeln verwendet (Springkandare) wird das gleitende Ringmartingal nur in den Trensenzügel (nicht den Kandarenzügel) geschnallt. Das gleitende Ringmartingal ist der einzige Hilfszügel, der in Spring- und Geländeprüfungen erlaubt ist und hier auch weite Verbreitung findet, da die Bewegungsfreiheit des Pferdes nicht eingeschränkt wird, da über dem Sprung die nachgebende Reiterhand die Bewegung des Pferdekopfes frei gibt. Wegen seines häufigen Einsatzes überm Sprung heißt er auch Sprungzügel.
Irisches Martingal
Der Vollständigkeit halber wird dieser Hilfszügel erwähnt, der auch als Rennmartingal bekannt ist, aber keinerlei Funktion in Bezug auf Hilfengebung hat. Es handelt sich um ein kurzes Lederstück von 10-20cm Länge, an dessen beiden Enden Ringe angebracht sind. Durch diese Ringe werden die beiden Zügel geführt, so dass das irische Martingal zwischen Gebiss und Brust des Pferdes hängt. Seine Funktion zeigt es im Fall eines Sturzes des Reiters, wie es ja bei Rennen öfters vorkommen kann. Die fixierten Zügel rutschen nicht so leicht über den Pferdehals hinunter. Die Verletzungsgefahr ist so für Reiter und Pferd geringer.
Zitiert aus:
Artikel Hilfszügel. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. Dezember 2007, 00:03 UTC. URL: de.wikipedia.org/Hilfszügel (Abgerufen: 20. Dezember 2007, 14:18 UTC)
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