Ein Muss - die Klärung der Rangordnung

Aus Reiterforum-Thueringen

Wechseln zu: Navigation, Suche
Versand GRATIS!
agrar-direct.de: Ersatzteile für die Landwirtschaft
Stallbedarf, Reitsportbedarf, Reitbekleidung
- Ein eigenes Pferd ? -- <<Reiten, Fahren & Ausbildung


Erste und wichtigste Aufgabe, Grundvoraussetzung jeder Arbeit mit dem Pferd – ist die Klärung der Rangordnung ...

Das gilt gleichermaßen für die Erziehung eines jungen Pferdes oder eines neu gekauften Pferdes.

Wenn Ihr ein Pferd kauft, ist dies nicht nur für euch eine völlig neue Situation. Auch für das Pferd. Bei einem sehr jungen oder sehr selbstbewussten Pferd kann es dann auch schon mal vorkommen, dass diese Eure leitende Position anzweifeln. Nach dem Motto: Neue Umgebung, neue Herde - vielleicht habe ich Glück und kann aufsteigen.

Die Erziehung eines Pferdes hat heute einen neuen Stellenwert bekommen, als früher, wo das Pferd noch Mittel zum Zweck, ein Arbeitsgerät war.

Heute möchten wir einen Partner haben, der mit uns durch Dick und Dünn geht. Ein Pferd, dass sich nicht durch seinen Herdentrieb oder Fluchtreflex beherrschen lässt. Wir erwarten von unserem Pferd, dass es uns akzeptiert, auf uns hört und insgesamt leicht zu händeln ist.

Um dem heutigen Wunsch der Reiter (meist Stadtmenschen, die selbst einer Fliege nichts tun würden) nach einer absolut tierfreundlichen Erziehung entgegen zukommen, wurden solche Methoden, wie die Linda Tellington-Jones oder die Feldenkreismethode entwickelt. Linda Tellington Jons beurteilt die Pferde anhand anatomischer Merkmale, wie Kopfwirbel oder Lage der Augen und erfühlt die Schmerzpunkte durch die Touch-Methode. Die Feldenkreis-Methode beruht auf der Aktivierung des Gehirns.

In den Händen von Fachleuten sehr wirkungsvolle Arbeitsweisen.

Aber welcher Reiter kann von sich behaupten, dass er diese Fähigkeiten besitzt und sie richtig anwenden kann.

Also müssen wir auf einfachere Methoden zugreifen. Die rein technischen Grundlagen, wie Schulung des Gleichgewichtes, der Durchlässigkeit und Verlängerung der Schritte kann man erlernen oder hat sie als Reitschüler auf anderen Pferden bereits praktiziert. Aber das Einfühlungsvermögen, die Feinfühligkeit, um ein Pferd mental dazu zu bringen, dass es uns als Leittier akzeptiert ist kaum einem gegeben.

Meiner Meinung nach ist eine absolut gewaltfreie Erziehung nicht möglich.

Wobei man hier das Wort Gewalt erst einmal definieren muss. Manche Menschen sagen, das Gewalt schon der Eingriff in die persönliche Freiheit ist. Eine Folge davon ist die antiautoritäre Erziehung. Wer solche Kinder schon einmal erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, dass sie in unserer Gesellschaft, die von Regeln bestimmt wird klar kommen werden.

Stellt Euch ein solches Kind mit der Kraft eines Pferdes vor.

Auch Pferde, haben innerhalb einer Herde bestimmte Regeln einzuhalten, sich einer Rangordnung zu unterwerfen. Um ihre Regeln durchzusetzen, gehen sie nicht gerade zimperlich miteinander um.

Mit „Bitte“ du liebes Pferdchen, werdet Ihr wohl kaum eine Wirkung erzielen.

Ein Fohlen muss als erstes lernen, sich führen zu lassen.

Bereits das ist Euer erster Kampf und Euer Sieg ist ein absolutes Muss. Hier werdet Ihr zum Leittier. Das Pferd darf nicht vor Eure Schulter kommen. Ein Pferd, das im Nahbereich hinter der Schulter eines anderen bleibt ist das Rangniedere.

Eine weitere gute Möglichkeit dem Pferd zu zeigen, welchen Rang es einzunehmen hat, ist die Arbeit im Roundpen. Das Roundpen ist die symbolische Darstellung einer Herde. Indem Ihr das Pferd zwingt auf dem äußeren Kreis zu gehen, bringt ihr es dazu sich unterwerfen. Denn im Inneren einer Herde befinden sich die ranghöheren Tiere. Wenn Ihr es dann zu euch ruft ist das gleich eine zweifache Belohnung. Es wird quasi befördert und bekommt noch dazu Streicheleinheiten und Leckerli.

Falls Ihr kein Roundpen habt, ein quadratisch eingezäuntes Stück Wiese tut es auch.

Das problemlose Rückwärtsrichten des Pferdes ist ebenfalls eine Forderung zur Akzeptanz.

Kontrolle Eures Ranges: Wenn Euer Pferd beim Herantreten oder einer leichten Aufforderung weicht, seid Ihr eindeutig der Ranghöhere.

Es gilt
  1. .Das rangniedrigere Pferd muss dem ranghöheren (uns) ausweichen.
  2. .Ein rangniedrigeres Pferd darf ein ranghohes (uns) nicht überholen (Leitstutenprinzip)
  3. .Das ranghöchste Pferd (wir) kann jedes andere Tier der Gemeinschaft von hinten treiben (Leithengstprinzip).

Es gibt noch wesentlich mehr Möglichkeiten, Euch mit (sagen wir mal) psychicher Gewalt den Gehorsam eures Pferdes zu erzwingen. Nichts anderes tun „Pferdeflüsterer, wobei diese wesentlich feinfühliger und genauer die Regeln der Rangordnung einsetzen. Sehr gut erklärt diese zum Beispiel Monti Roberts.

Wenn Ihr Euch ein Jungpferd kauft, dass Eure höhere Rangordnung anzweifelt dürft Ihr bei der Klärung nicht zimperlich sein. Habt keine Angst eurem Pferd mal einem ordentlichen Hieb vor die Brust zu geben oder laut zu werden.,wenn es zum Beispiel nicht stillstehen will. Es muss wissen, dass es euren Befehle zu folgen hat. Das sind alles Streicheleinheiten gegenüber dem, was es in der Herde abgekriegt hätte. Auch Kindern gibt man mal einen Klaps auf den Hintern und wir haben das alle ohne seelischen Schaden überlebt. Die Bestrafung muss aber unmittelbar erfolgen.

Das Geheimnis jeder Erziehung, egal ob Mensch oder Tier sind klare Befehle und die ständige Konsequenz sie durchzusetzen.

Mit welcher Intensität („Gewalt“) Ihr dass machen müsst hängt vom Charakter eures Pferdes ab. Einem Junghengst oder spät gelegten Wallach werdet Ihr wohl kaum mir sanften Bitten Benehmen beibringen. Anders dagegen, bei einen sensiblen Stütchen. Da kann ein lautes Wort, eine schnelle Bewegung schon Gewalt für das Pferd bedeuten.


Ich hatte es mir auch vorgenommen, mein Pferdchen mit der Linda Tellington Jons Methode zu erziehen. Musste aber bald erkennen, dass das voll vor den Baum ging. Sie war ein echt liebes Fohlen, solange ich ihre Regeln befolgte. Zweifelte ich diese aber an, biss und trat sie um sich. Sie griff mich sogar im Roundpen an, als ich von ihr verlangte nach außen zu gehen.

Da wurde mir klar, dass, mir sanfte Worte nicht weiterhelfen.


Fazit:

  • Ein bisschen „Gewalt“ hat noch keinem geschadet.
  • Voraussetzung jeder Arbeit mit dem Pferd ist, dass es Euch als Leittier akzeptiert.

Eure Korrekturen und euer Tadel dürfen aber nicht zum überwiegenden Teil der Erziehung werden. Jeder kleinste Schritt, den euer Pferd euch entgegenkommt müsst ihr ausgiebig belohnen. Auch hier trifft wieder eine alte Weisheit, die brutal klingt, zu: „Zucker, Brot und Peitsche

Habt Ihr die Fronten erst einmal eindeutig geklärt, dann könnt Ihr sanftere Töne anschlagen. Erst dann könnt Ihr auf die Anregungen zur Desensibilisierung der Pferde und der Ausbildung zu einem ausgeglichenem sicheren Pferd von Linda Tellington-Jones zugreifen. Denn nur als Leittier vermittelt Ihr eurem Pferd die dazu nötige Sicherheit.


Autor Katrin

siehe auch

Weblinks

Die ersten Schritte der Ausbildung eines jungen Pferdes findet Ihr bildlich dokumentiert unter den nachfolgenden Links.


Forum32.gif    Diskussion:Ein Muss - die Klärung der Rangordnung 

Bewertungen, Fragen und Meinungen


  zurueck zurück  

Persönliche Werkzeuge