Übungen zur Desensibilisierung und Gelassenheit des Pferdes

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Nachschlagewerk/ Branchenbuch rund ums Pferd

- Reiten, Fahren & Ausbildung -


Alle folgenden Übungen dienen zum Training des Pferdes und auch des Reiters. Beide lernen mit schwierigen Situationen richtig umzugehen und sich gegenseitig zu vertrauen.

Ziel ist, dass das Pferd den Anweisungen willig folgt und bei erhöhten Anforderungen nicht scheut oder unkontrolliert ausweicht. Beides kann auf dem Turnier oder im Gelände fatale Folgen haben. Ein seitliches Wegspringen im Straßenverkehr gefährdet Pferd und Reiter, führt zu erheblichen Sachschäden oder schlimmer gefährdet andere Menschen.

Seit 2007 bietet die FN Gelassenheitsprüfungen (GHP) der Stufen I - III an. Sie sind Ein Gemeinschaftsprojekt von Cavallo (Das Magazin für aktives Reiten) und der Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V.. Sie sind kein Wettkampf, sondern dienen nur der Einschätzung Vertrauens und Verhaltens von Pferd und Reiter in Gefahrensituationen.

Aus dieser GHP stammen auch einige Übungen.

Bei allen Übungen sollte das Pferd max. 2m ausweichen.

Inhaltsverzeichnis

Hecke mit Luftballons

Hier steigen hinter einem Hindernis plötzlich Luftballons auf. Das soll auffliegenden Vogel im Gelände simulieren.

Stangenkreuz

Das Pferd soll diagonal über die Ecken eines aus vier verschränkten Stangen bestehenden Quadrats steigen. Dabei soll es zeigen, dass es auf seinen Weg achtet und auch mit Unebenheiten zurechtkommt.

Vier Stangen von 3 bis 3,5 Meter. Die Stangen werden so angeordnet, dass ein Ende immer über der rechtwinkligen Nachbarstange liegt, das andere Ende hingegen unter der Nachbarstange. Diese Anordnung verhindert ein Wegrollen.

Einmal diagonal über die Stangen reiten und dabei die Stangen so wenig, wie möglich berühren oder dagegen zu poltern.

Müllpassage und Flatterbandvorhang

Bei diese Aufgabe durchquert das Pferd eine Gasse (2m) zwischen rot-weißem Flatterband und Müllsäcken und Mülltonnen. Dabei wird das Flatterband bewegt. So hat das Pferd nicht nur Bewegungen, vor denen es erschrecken kann, sondern auch ungewohnte Gerüche und Silhouetten.

Eine ähnliche Übung ist das Durchreiten eines Vorhanges aus rot-weißen Flatterbändern.

rollende Bälle und Fußball

Von der Seite rollen plötzlich mehrere Bälle vor die Füße des Pferdes. Ähnlich einem aus dem Gebüsch auftauchendes Tier. Das Pferd soll die plötzliche Bewegung ruhig registrieren.

Ein ähnliche Aufgabe wäre z.B. mit dem Pferd Fußballspielen. Dazu eignet sich ein großer stabiler Hüpfball.

Rückwärtsrichten

Mit dem Pferd in eine Gasse (leichter: abgespannte Gasse, schwerer: eine Gasse aus Balken am Boden) reiten, dort angehalten und anschließend ca. 4 m rückwärtsrichten. Wichtig ist dabei, dass das Pferd fleißig und ohne Widerstand rückwärts tritt.

Regenschirme

Bei dieser Aufgabe muss das Pferd an aufgespannt auf dem Boden liegenden Schirmen vorbei gehen und es wird auf Höhe des Pferdes ein weiterer Schirm geöffnet. Auch hier soll das Pferd gelassen bleiben.

Plane und Kippe

Bei dieser Aufgabe wird eine mindestens 3m lange Plastikplane überquert. Der veränderte Boden und das Geräusch beim Betreten der Plane erschreckt viele Pferde. Da sich das Pferd nicht sicher sein kann, ob der neue Boden sein Gewicht wirklich trägt oder sich nicht etwas Gefährliches unter der Plane verbirgt.

Wasser auf der Plane erhöht den Schwierigkeitsgrad, da die meisten Pferde ungern durch Pfützen gehen und das reflektierte Licht die Einschätzung des Hindernisses für das Pferd unmöglich macht.

Eine ähnliche Aufgabe ist das überqueren einer Kippe. Hier kommt zum veränderten Boden noch ein schwankender Untergrund hinzu.

Rappelsack und Plane im Rücken

Auf einer Strecke von 10-15 m wird ein Rappelsack hinter dem Pferd über eine Leiter gezogen. Das Geräusch erschreckt viele Pferde, da es die Ursache nicht sehen kann.

Eine ähnliche Aufgabe ist eine raschelde, wackelde Plane in der Hand des Reiters. Zum Beispiel das Anziehen eines Regencapes.

Stillstehen und Hufe wässern

Das Pferd muss in einem Bereich von 1,5 x 1,5 m zwischen 20 und 60 Sekunden lang stillstehen. Ein fremdes Geräusch oder eine raschelnde Tüte, die Leckerli verspricht machen diese Aufgabe für Pferd und Reiter schwieriger.

Eine ähnliche Aufgabe ist das Wässern der Hufe in Eimern. Hier kommt noch das ungeliebte nasse und kalte Wasser dazu und die Eingränzung durch die Eimer.

Sprühflasche

Das zischende Geräusch erschreckt Pferde, da es dem Geräusch warnernder Schlagen sehr ähnelt.

Bewertung einer Gelassenheitsprüfung

Bewertung Bewertungsaspekte
Sehr gut Absolut gelassenes und fleißig schreitendes Pferd. Sehr gefühlvoller Reiter, gibt meist unsichtbare Hilfen.
Gut

Pferd, das vereinzelt winzige Spannungen zeigt, jedoch gelassen weiterläuft. Reiter wirkt mit leichten Hilfen ein.

Befriedigend

Das Pferd zeigt teilweise Spannungen und schreitet nicht immer ruhig. Reiter gibt deutliche Hilfen.

Ausreichend

Deutliche Spannungen, kein gelassenes Schreiten, Pferd ist teilweise widersetzlich. Reiter wirkt mehrmals strafend auf sein Pferd ein.

Mangelhaft

Ständig verspanntes Pferd, das vor mehreren Aufgaben erschrickt. Mehrere Aufgaben werden nicht beim ersten Versuch absolviert. Hilfen des Reiters werden vom Pferd nicht angenommen.

Ungenügend

Pferd ist dauerhaft widersetzlich.

negatives Verhalten des Reiters

  • Eine nicht ausreichende Einwirkung des Reiters und damit die sichtliche Gefährdung von Reiter und Pferd sowie Dritten.
  • Unreiterliches Verhalten gegenüber dem Pferd, Überforderung des Leistungsvermögens des Pferdes, unangemessenes Strafen des Pferdes.
  • Rücksichtsloses Verhalten gegenüber anderen.
  • Eine Überschreitung der Maximalzeit

Weblinks

Literatur

  • Gelassenheit - davon profitieren Pferd und Mensch! von Georg W. Fink
ISBN 978-3-88542-432-1
  • Gelassenheit - Sicherheit für Pferd und Reiter: Übungen für Praxis und Prüfung von Christine Lange (Autor)
ISBN-10: 340516625X
ISBN 978-3-40516-625-0

siehe auch


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